Kairo 2001, gefördert vom DAAD

Die Bedeutung und Rolle ÄGYPTENS im mediteranen Raum 

Kairo   Alexandria   Oase Siwa

Kairo_Moabit 2001 Orininalkonzept 2001: Der Studiengang Kulturarbeit der Fachhochschule Potsdam plant für Ende März 2001 eine Exkursion nach Ägypten. Das Interesse der Auseinandersetzung ist auf das gegenwärtige Ägypten gerichtet, im Besonderen die Themen der Künste und Literatur. Die Reise dient als Vorbereitung für “ägyptische Kulturtage“ in Potsdam, die im Herbst 2001 stattfinden sollen. Die Studienfahrt ist dazu in verschiedene Schwerpunkte geteilt. Kairo – Zentrum der arabischen Welt – Schmelztiegel der Kulturen. Um ein Verständnis für die Auswirkung historischer Einflüsse auf die gesellschaftliche und kulturelle Entwicklung Ägyptens zu entwickeln, werden verschiedene Moscheen (Al Ashar, Ibn Tulun) besichtigt. Diese sind Zeugnis für das Durchsetzen des Islam als Hauptreligion, aufgrund dessen sich eigene künstlerische und ästhetische Richtungen entwickelt haben. Dazu werden das Ägyptische Museum, das Islamische Museum und das Museum für Moderne Kunst aufgesucht. Neueste Ausgrabungen hellenistischer Architekturen werden in Alexandria besucht, die den griechischen Einfluss zeigen, welcher Ägypten einst eng mit Europa verband, sprich ein Verweis sind für Handelsbeziehungen, an die heute wieder angeknüpft wird. Im Museum der Schönen Künste werden dazu die Sammlungen hellenistischer Skulpturen besichtigt. Ein Hauptanliegen zum tieferen Verständnis des heutigen Ägyptens ist es, zeitgenössische ägyptische Künstler (Hamid Said, Ali Ahmed El-Ghoul o.a.) zu treffen, Gespräche zu führen. Diese Begegnungen sind wichtige Impulsgeber für den weiteren Austausch zwischen Orient und Okzident. Die vielfältigen Eindrücke werden in der Oase Siwa verarbeitet und die Abgeschiedenheit von den Großstädten genutzt, um die “ägyptischen Kulturtage“ in Potsdam vorzubereiten.cairo_CD ROM

kulturelle transfers – cairo off line CD-ROM Projekt – Kairo und Umgebung in sechs Tagen Erstellt wird ein neuartiger Reiseführer, der mit einem exemplarischen Reisetagebuch kombiniert ist. Zum einen geht es um Vorschläge für einen neuntägigen Reiseverlauf in Kairo einschließlich zweier Exkursionen außerhalb von Kairo. Zum andern finden sich dazu konkrete Berichte, wie solche Rundgänge in Kairo und Umgebung erlebt werden/wurden. Damit umfasst der Reiseführer sowohl die praktischen Hinweise eines Reiseführers mit Anleitungen für Rundgänge in der Stadt, für die Besichtigungen der Sehenswürdigkeiten und speziellen Tipps als auch individuelle Erlebnisberichte, die auf beispielhafte Weise Eindrücke vermitteln. Die individuellen Erlebnisberichte werden von einer neunköpfigen Potsdamer Reisegruppe geliefert, die ihre Reiseeindrücke in Form von Fotos, Videofilmen, Tonaufzeichnungen und thematischen Berichten dokumentiert hat. Während der allgemeine Teil des Reiseführers sachlich ist und Fakten für Rundgänge bereit hält, stellen die individuellen Berichte eine zusätzliche Option dar. Anders gesagt: Man hat es bei diesem Reiseführer mit zwei Ebenen zu tun. Auf der ersten Ebene finden sich standardisierte Ratschläge, auf der zweiten Ebene ist eine Befolgung solcher Anleitungen praktisch dokumentiert. Erreicht wird durch diese Kombination ein kritischer Blick auf die standardisierten Vorgaben und Informationen, die das Bild Kairos und damit auch der ägyptischen Kultur prägen und – durch bisher nicht bekannte Sichtweisen – erweitern. Wie ist es möglich, das ein allgemeiner Reiseführer in Kombination mit einem Reisetagebuch Differenzierungen erlaubt, die über die gängigen Klischees von Land und Leute hinaus gehen? Man kann darauf wie folgt antworten: Die Kombination ist selbst programmatisch und folgt einem Gesamtkonzept, das der CD-ROM zugrunde liegt. Zugrunde liegt eine Fragestellung nach der kulturellen Differenz des Reisenden zum Reiseland und den jeweiligen gesellschaftlichen Lebensbedingungen.

Reisen – ein luxuriöses Zivilisationsmittel

Was weiß man tatsächlich über die gesellschaftlichen, politischen Bedingungen eines Landes und seiner Hauptstadt und wie regelt bzw. gestaltet sich die konkrete Erfahrung vor Ort? Gibt es Bestätigungen oder Verschiebungen in der vorgefassten Sichtweise? Reichen die Vorannahmen und Informationshinweise angesichts der konkreten Erfahrungen? Müssen diese vielleicht ergänzt oder grundsätzlich in Frage gestellt werden? Dadurch, dass es Vorannahmen, vorfabrizierte Einschätzungen über Land und Leute gibt, werden kulturelle Einstellungen bestätigt bzw. vorweggenommen, die den konkreten Erfahrungen immer schon vorgeschaltet sind. Auf dieser gedanklichen Basis setzt die Konzeption der CD-ROM an, beziehungsweise, diese gedankliche Basis bildet den theoretischen Hintergrund, der der Realisation vorangeht und sie auch über die Produktionsergebnisse hinaus begleitet. Die CD-ROM kann nicht beanspruchen, alle Reflexionsansprüche der gedanklichen Basis zu vermitteln. Dennoch stellt die CD-ROM einen Versuch dar, die kulturelle Differenz des engagierten Reisenden kritisch aufzuzeigen. Das wiederum erfolgt unter einer Einschränkung; Der Schwerpunkt liegt auf kulturelle Phänomene, die im alltäglichen Präsentationsumfeld einer Kultur angeeignet werden können: Museumsbesuche, Stadtrundgänge, Attraktionen des gesellschaftlichen Lebens und normale Lebensgewohnheiten. Hierbei kommt mal der touristische Blick, mal der Blick des Gebildeten, mal der Blick des engagiert Kontaktsuchenden usw. zum Tragen. Alle diese perspektivischen Einstellungen des Erlebens setzen eine Differenz frei: Unterschiede des eigenen kulturellen Umfelds bilden den Hintergrund für ständige Wahrnehmungs- und Einschätzungsabgleiche, die zeigen, dass es genau die Vorannahmen gibt, die man vorfindet, z.B. in Kairo antrifft, wenn man durch Erwartungen und Vorwissen gesteuert wird. Man lebt ja nicht wirklich unter den Bedingungen, die man vorfindet, sondern ist auf Zeit Zuschauer: Hier ist wahrscheinlich auch der hartnäckigste theoretische Widerhaken. Denn man befindet sich auf Reisen nicht wirklich in dem gesellschaftlichen Leben und dessen kulturellen Belangen, die einem etwas abfordern würden, sondern man hat die unglaubliche Wahl, die gesellschaftlichen Verhältnisse und kulturellen Bezüge unter besonderen, manchmal sehr privilegierten Bedingungen zu beobachten. Unglaublich deshalb, weil es ein ungeheurer Luxus ist, den Blick durch die Beobachtung auf selbst nicht auszuübende Lebensverhältnisse zu differenzieren. Im Kern ist also die zeitlich begrenzte und durch einen eigenständigen Finanzierungsaufwand ermöglichte Beobachterhaltung von ungeheurer Sprengkraft. Denn die eigenen Lebensverhältnisse könnten unter- bzw. durchbrochen werden. Aber seltsamerweise ist diese Sprengkraft sozusagen touristisch kanalisiert und in ideologische Bahnen des Selbstverständnisse von Reisen gerückt, die den Raum der eigenen Erwartungen niemals verlassen. Tourismus ist eine zivilisatorische Errungenschaft , um individuelle Wünsche nach dem außergewöhnlichen, angenehmen, erstrebenswerten oder wirklichen Lebens zu steuern, d.h. unter dem stillschweigenden Jawort aller Beteiligten auszublenden oder noch deutlicher gesagt: zu verunmöglichen. Diese strukturell vorgegebene Schranke schützt den Reisenden gemeinhin davor, die Bedingungen seiner Existenz (woanders) kritisch zu erfahren. Dabei mangelt es sicher nicht an interessanten Differenzerfahrungen, die durch die luxuriöse Beobachterhaltung immer auch bei Einzelnen zustande kommen können. Aber sie bewirken in der Regel nichts. Immer ist der Reisende schon da angekommen, wohin er sich auf den Weg gemacht hat, um seine Wunsch- und Angstbilder zu finden. Seine vorgeschalteten Vermutungen und sein gefiltertes Vorwissen schützen ihn davor, dort anzukommen, wohin er will.

„Niemals erreicht der Reisende wirklich Kairo.“

Wie man erkennt, führen diese Überlegungen ganz allgemein vor Augen, dass die gedankliche Basis weiterreichende Fragen eröffnet, die möglicherweise in der Kombination von Reiseführer und Reisetagebuch zu aufschlussreichen Einsichten führen, aber nur unzureichend dessen gesamte Tragweite darstellen können. Die praktische Umsetzung: Das Konzept der CD-ROM stellt die praktische Seite eines theoretischen Konzepts dar, in dem die strukturellen Schranken einer „kulturellen Differenz“ aufgezeigt werden können. Bereits in der geographischen Differenz Europa und Afrika sowie den lebensweltlichen, sprachlichen und künstlerischen Bedingungen sind Unterschiede angezeigt, die sich einem Reisenden aus Mitteleuropa, sprich einer Reisegruppe aus Potsdam auftun. Interessanterweise sind die kulturellen Differenzen und intertechnologischen Gemeinsamkeiten gar nicht das, was gesucht wird. Reiseeindrücke sind Erlebnisbilder in Nahaufnahmen: Man wohnt ihnen bei, bleibt aber „bildlich-oberflächlich“ distanziert und eigentümlicher Weise in einem teilnahmslosen Gegenüberverhältnis verschanzt. Kurz gesagt: Man hat es nicht gelernt, die strukturellen Bedingungen der Beobachtung, der aktiven Wahrnehmung sowie der Erarbeitung von Differenzen teilnehmend zu reflektieren. Aber warum auch? Wäre es nicht schrecklich, den eigenen Standpunkt durch den mit zu bedenkenden Standort anderer Lebensumstände oder kultureller Zusammenhänge in Frage zu stellen? Vor so viel Infragestellung schützt „uns“ die Natur der Lebensbehauptung: Tourismus ist ein Zivilisationsmittel des Kapitalismus. In jedem Reisbüro atmet das schöne Klima des Kapitals. Völlig sinnlos. Aber Begehrenswert.. Weiter: Auch wenn man die Unmöglichkeit, die Kluft einer kulturellen Differenz zu überbrücken, erkannt hat, bleibt man a) an dem paradoxen, teilnahmslosen Beobachterverständnis hängen und b) ist man angehalten, die eigene Position des Abgleichens (notgedrungen) zu festigen. Von daher bietet es sich an, mit den gängigen Klischees in der Erwartung und in den Vorannahmen, diese würden ein (verdecktes) Bild der Wirklichkeit zeigen, aufzuräumen. Wohlgemerkt: Es ist an sich schon eine Leistung, den Umgang mit Klischees zu reflektieren und anhand des bewussten Aufgreifens von Klischees deutlich zu machen, dass hier teilweise zutreffende, teilweise aber auch nur bequeme Ausblendungen von Realität statt finden. Um die Kombination von Reiseführer und Reisetagebuch zu bündeln, wird ein Hauptklischee für die Visualisierung der Steuerung inhaltlicher Aspekte aufgegriffen: Ein Kiosksystem. Noch einmal anders gewendet: Die CD-ROM bietet einen Reisebasar als Kiosksystem an: „Ein Tagesausflugskalender und ein Postkartenständer stehen zur Auswahl. Man kann insgesamt neun Vorschläge für Rundgänge anwählen, Postkarten, d.h. Bildgrüße, Stadtansichten aussuchen. Eigentlich kann man an diesem Kiosk alles bekommen.“ Für die Hintergrundgestaltung des Kiosk-Systems kann man auf folgende Bilder zurück greifen: Museumsshop des Ägyptischen Museums in Berlin, Andenkenladen im koptischen Viertel, Basarbude im abendlichen Neonlicht in Kairo. Für den Tagesausflugkalender und für den Postkartenständer gibt es noch keine Vorlagen. Für den Tagesausflugkalender spricht, dass wir hier unseren Reiseverlauf als Reiseführer „Kairo in sechs Tagen“ aufgreifen und entsprechend modifizieren können. Hier können wir den Reiseplan der Gruppe verwenden und bezüglich der Aufmachung herkömmlicher Reiseführer umgestalten und erweitern. Weiterhin lassen sich an dem Tagesausflugskalender unsere individuellen Berichte festmachen. Das sind neun Berichte/Shows ohne „Klick mich“, teilweise mit Filmen. Es wäre gut, wenn Nina und Stefan in Absprache mit Wolf ein zweiteiliges Drehbuch für unsere neun „Empfehlungen für Rundgänge bzw. Erlebnisberichte“ aufstellen würden. Vorgaben, d.h. Vergleichsbeispiele, wie man das macht, gibt es von mir. Für den Postkartenständer spricht weiterhin, dass wir hier einen Zugriff auf unser Bildmaterial gestalten können. Dies ist auf mehreren Ebenen zu bedenken: 1. es gibt ein Index mit allen bildlichen Eintragungen, 2. die bildlichen Eintragungen können in thematisch unterschiedlichen Ordnern abgelegt werden, 3. die ausgewählte, eingeschränkte Verwendung unserer Fotos als Postkarten greift aus der Sicht des Materials in die Thematik: Klischees, Bildgrüße mit Reisekommentaren …

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.

drei + fünf =