cultrans goes Jerusalem: Projekte 2007–2014, gefördert vom DAAD

Globalisierung – oder die Reise nach Jerusalem Von allen Metaphern ist der Kreis der gerissenste, weil er sich fortwährend selbst erzeugt. Diesen Eindruck erhält man nicht nur bei der Lektüre von Derrida, Nancy, Agamben oder auch bei Sloterdijk. Sorry, but this article is not available in english, yet. Warum fällt es so schwer, sich der Faszination des „closed circuit“ zu entziehen? Kann das überhaupt, wäre die Frage? Sicherlich nicht, ist die einfache Antwort, denn man steht unter ihrem Bann, lebt sozusagen in ihr erst auf. Der Kreis, das Rad und die gelungene Drehung beschreiben ein Prinzip, dem man nicht entkommen kann, wie einem hermeneutischen Zirkel oder dem Surren eines Motors. Störungen wären ärgerlich, ein Ausfall ein Entsetzen, ein Kurzschluss gar: das sichere Ende. An platter Rundheit kann man sich so schön erfreuen. Lebensvolle Kraft, liebenswerte Kurven, dralle Umrisse, gewaltige Zyklen. Der Globus, das Glück und das Geld. Nichts anderes ist es, wenn Gedanken um sich selbst kreisen. Demzufolge ist es also nicht weit her, wenn die Figur des Kreises zur höchsten Selbstbezüglichkeit erhoben worden ist. „Ein ewiger Kreislauf“ wohnt ihr inne. Ein gewalttätiger Schwung, der mitreißt, umreißt und einen mit sich zieht, der wieder zurück muss, wie das die Weltraumrakete mit dem Götternamen Apollo erfahren musste. Nur Silvesterraketen leuchten einmal, das aber jedes Jahr aufs Neue. Kürzt man solche Umkreisungen ab und abstrahiert, dann ist der Kreis, der kreist, die geschlossenste Form, selbst wenn sie nur vortäuscht, zu kreisen und vielleicht bloß unmerklich hin und her zittert, weil alles Kreisen bloß Schwindel ist. Man darf halt körperlich für Mitzittern nicht anfällig sein, denn sonst gerät man in den Sog eines Strudels: In-Bewegung-sein ist technisch gedacht Gott. Für uns, die wir Gedanken bei der Arbeit zuschauen, heißt das, in ein Räderwerk von Drehungen und Wendungen treten, heißt das, die Selbstbezüglichkeit mit aller Kraft im Kreislauf, der nicht endet, zu erfahren. Wir leben in einer Kultur, die im Globalkreis geschaltet ist. Ein Gedanke dazu, dem Dank im Denken gebührt, wäre ein interkulturelles Projekt zum Thema „Intelligenz und Bilderverbot“ mit der Frage nach einer bildlosen Freiheit, sprich einem Tun und Denken ohne Bild, in dem die Unterbrechung zwanghafter Wiederholungen erprobt wird. Ein solches Projekt erhielte eine besondere Klarheit und Aktualität, wenn es für Partner und mit Partnern in Jerusalem konzipiert wird. Aus diesem Grund heißt die nächste Station von „cultrans“ im Jahr 2008 „Jerusalem“. Literatur: DERRIDA, Jacques: Schurken. Zwei Essays über die Vernunft, Frankfurt/Main: Suhrkamp Verlag 1991. NANCY, Jean-Luc: Die Erschaffung der Welt oder die Globalisierung, Zürich: diaphanes 2003. AGAMBEN, Giorgio: Homo sacer. Die souveräne Macht und das nackte Leben, Frankfurt/Main: Suhrkamp Verlag 2002. SLOTERDIJK, Peter: Im Weltinnenraum des Kapitals. Für eine philosophische Theorie der Globalisierung, Frankfurt/Main: Suhrkamp Verlag 2005.

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